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Der Hindenburg-Treck nach Medingen

Für die beiden westpreußischen Hindenburg-Güter Neudeck und Langenau erging am 19. Januar 1945 der Treckbefehl.
Beide Trecks umfaßten je etwa 150 Personen, die zu zehnt oder zu zwölft auf Leiterwagen Platz fanden, die pro Treck von etwa 40 Pferden gezogen wurden. Die Straßen und Wege nach Westen waren rasch verstopft, so daß die Flüchtenden an manchen Tagen nur zwei, drei Kilometer vorankamen. Die gesamte Habe war zu Hause geblieben, nur Betten, die nötigste Garderobe und ein paar Lebensmittel konnten auf den Wagen untergebracht werden. Bei eisiger Kälte, ab Ende Januar Temperaturen von minus 30 Grad, überquerten die Trecks die zugefrorene Weichsel, an deren spiegelglatt gefrorenem Uferdamm sich ein unübersehbarer Stau von Treckfahrzeugen gebildet hatte. Unter Lebensgefahr mußten die Menschen die wegrutschenden Wagen und Pferde halten, um den Damm herunter- und auf der anderen Seite wieder hinaufzukommen.

 

 

Durch den Polnischen Korridor, durch Pommern und Mecklenburg nahmen die Fahrzeuge, die zumeist von Jugendlichen und Frauen sowie von alten Männern geführt wurden, ihren Weg nach Westen.
Geschlafen und gegessen haben die Flüchtlinge in diesen acht Wochen – unter Entbehrung jeglicher Hygiene und bei größten Strapazen – notdürftig in Gutsscheunen und in Schulräumen.
Nach acht Wochen und 800 Kilometern erreichte der Langenauer Treck den Landkreis Uelzen am 12. März 1945, der Neudecker kam am 20. März 1945 in Bevensen an.
Durch die familiären Bindungen zu Schwiegersohn und Tochter von Pentz wurde Bevensen-Medingen die Anlaufstelle für den sogenannten „Hindenburg-Treck“ aus Neudeck (siehe Menüpunkt "Hindenburg in Medingen").

 

 

Die Güter Neudeck und Langenau gelangten unter dem greisen Reichspräsidenten 1927 bzw. 1933 in den Familienbesitz zurück.
Paul von Hindenburg hatte sich bereits als junger Mann sehr gerne auf dem „Familiengut“ Neudeck aufgehalten. Hier sollte sich sein Lebenskreis auch schließen.
Als Reichspräsident hatte er jedoch kaum Zeit diesen letzten Alterssitz zu nutzen. Die politischen Verhältnisse der späten Weimarer Republik hielten ihn in seinem Amtssitz Berlin fest.
Nach seinem Tod wurde sein Sohn, Oskar von Hindenburg (* 31.01.1883 in Königsberg/Pr., gest. 12.02.1960 in Bad Harzburg), der neue Gutsherr auf Neudeck und Langenau.

 

Als die Hindenburg-Trecks im März 1945 Medingen erreichten, hatte Annemarie von Pentz, die engagierte und couragierte Tochter des ehemaligen Reichspräsidenten, bereits gut vorgesorgt.
Von Mühlenbesitzer Enno-Edzart Hintze hatte sie die Erlaubnis, seine Villa als erstes Quartier verwenden zu dürfen. Gemeinsam mit Bürgermeister Lübke, Bruder Oskar von Hindenburg und der Äbtissin von Kloster Medingen, Ilse von Döhring, sorgte sie für Unterkünfte, für Nahrung und für erste Hilfe.
Wie konnten sich die Flüchtlinge in der neuen Umgebung zurechtfinden?
Nachdem der Langenau-Treck seinen Weg fortgesetzt hatte bis nach Oldenburg/i.O., versuchte Oskar von Hindenburg zusammen mit Medinger und Bevenser Persönlichkeiten die Eingliederung der neuen Bürger.
Bei den sogenannten „Hiesigen“ stießen die Neuen aus dem Osten auf einigen Widerstand, konnten sie sich doch des Gefühls einer Einquartierung nicht ganz erwehren. In einer besonders noblen und selbstlosen Weise stellte das Kloster Medingen Wohnraum zur Verfügung. Die 16 Klosterdamen verzichteten auf die Hälfte ihres Wohnraums, so daß neben ausgebombten Hamburgern zahlreiche Flüchtlinge des Hindenburg-Trecks im Schutz der Klostermauern Wohnung fanden. Weitere Familien konnten in der alten Medinger Schule, im Wirtschaftsteil der Hintzeschen Villa, in Werkswohnungen der Medinger Mühle und bei Medinger Hausbesitzern unterkommen.

 

Die Männer vom Treck fanden erstaunlich rasch neue Arbeitsstellen. So kam beispielsweise Gutsförster Manz beim Medinger Forstamt unter, Gutsgärtner Pflaum in der Gärtnerei Eggers, Schmiedemeister Schindler und Stellmacher Meißner in der Kaffeefabrik Darboven in Bevensen.
In zahlreichen Familien waren die Ernährer gefallen, und die Frauen mußten für sich und für die Kinder allein sorgen. Die Angehörigen des Hindenburg-Trecks sind im Laufe der Jahre – je nach Mentalität und Anpassungsfähigkeit – in der Bevölkerung Medingens und Bevensens aufgegangen.
Gräber auf dem Medinger Waldfriedhof zeugen noch heute von dem Hindenburg-Treck.
Stellvertretend für viele seien genannt: Oskar von Hindenburg und dessen Ehefrau Margarete, seine Schwester Irmengard von Brockhusen sowie Gutsförster Friedrich Manz und Gutsgärtner Otto Pflaum.

 

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